Andacht

„Wie soll’s denn gehen?“
So fragen wir uns bezüglich des Krieges in der Ukraine, der nun schon über ein Vierteljahr andauert. Diese Frage stellt sich letztlich in jedem Konflikt, im Krieg kommt ihr jedoch besondere Dringlichkeit zu. Wie soll’s denn gehen? Was ist die Lösung? Wie kann dieser Krieg ein Ende finden? Eine Einigung scheint aktuell nicht in Sicht. Stattdessen werden Waffen geliefert, die Menschenleben retten sollen, indem sie Menschenleben vernichten. Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann, aber die zu bezahlen die Welt bereit ist, ohne sie begleichen zu können. Aber wie soll’s denn gehen?

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen“, spricht der Herr Zebaoth. (Sach 4,6b)

Gott setzt dem Gewaltdenken seinen Geist entgegen. Ja mehr noch: Die Gegenüberstellung macht deutlich, dass kriegerische Heere und menschliches Kräftemessen nichts Geistreiches hervorbringen. Der Geist göttlicher Lebenskraft weht woanders. Während Elia Gott gerade nicht im Donnergrollen, sondern im leisen Säuseln des Windes erkannt hat, erlebten Soldaten, die im Ersten Weltkrieg vollmundig „Gott mit uns“ auf ihrem Koppelschloss trugen, die größte Gottesferne. Mit Gott in den Krieg zu ziehen, hat sich seit jeher als Irrtum erwiesen, eben weil Gottes Geist Leben und nicht Sterben hervorbringt. Heere sind beseelt vom Geist der Vernichtung. Aber Gott ist nicht mit den Gewalttätern. Gott ist vielmehr mit denen, die sich von seinem Geist des Lebens bestimmen lassen, anstelle mit Heereskraft dem Geist der Vernichtung zu frönen. Gott ist mit den Opfern, die nach Leben suchen und auf Leben hoffen. Wie aber soll’s gehen?
Inmitten des aktuellen moralischen Dilemmas ist zu hoffen, dass es in unserer Welt ein weiteres Mal Pfingsten wird, dass Gottes Geist die Menschen auf beiden Seiten der Front erfüllt und wir den leisen Verhandlungen mehr zutrauen als dem lauten Dröhnen von Raketen. Das Pfingstfest ermutigt uns zu diesem Umdenken, denn es ist ein Fest, das auf Verständigung setzt. Die Erinnerung an das erste Pfingstfest (nachzulesen in Apostelgeschichte 2) zeigt uns, dass Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, im Gotteslob zusammenfinden können und Verstehen möglich ist. Statt mit Heer und Kraft den Krieg zu verlängern, ruft uns der Wochenspruch des Pfingstfestes dazu auf, geistreich in Gottes Namen Frieden zu stiften. Denn „es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen“, spricht der Herr Zebaoth. Darum „Komm, Heil’ger Geist, mit deiner (!) Kraft, die uns verbindet und Frieden schafft!“ – Ja, so soll es und so kann es gehen.

Ihre Pfarrerin Dr. Mandy Rabe

April / Mai 2022

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.  (3. Johannes 2)

Liebe Schwestern und Brüder,
obwohl dies ein wunderbar aufbauendes Bibelwort ist und ich mich selbst als eher optimistischen Menschen bezeichnen würde, muss ich doch mit einer düsteren Feststellung beginnen: Spätestens seit dem 24. Februar wissen wir, dass auch das Jahr 2022 wohl wieder ein Krisenjahr sein wird. Zum Dauerthema Klimakrise und der Coronakrise seit über 2 Jahren kommt nun auch noch ein Krieg in Europa. Und wieder hält die Welt den Atem an.
Natürlich kann man sich persönlich darauf zurückziehen, dass doch alles nicht so schlimm sei: Wenn es in der Welt wärmer wird, gut, dann brauchen wir im Winter weniger zu heizen… Ist das Virus unterwegs, mache ich einfach die Tür hinter mir zu… Und die Ukraine ist weit weg, ein oder zwei Länder sind immer noch dazwischen… Tatsächlich habe ich solche Bemerkungen in letzter Zeit immer wieder gehört. Und das macht sprachlos.
Vielleicht liegt der Knackpunkt darin, dass man gern bei den oben stehenden biblischen Wünschen (Wohlergehen und Gesundheit, Frieden für die Seele) zuerst an sich selber denkt. Jeder von uns kennt wohl Leute, die fragen: „Wie geht es dir?“, um dann sofort von ihren eigenen Sorgen und Nöten zu erzählen. Ja – Wohlergehen und Gesundheit sind wirklich hohe Güter, erst recht das Wohlergehen der Seele. Letzteres wird allerdings gern vernachlässigt oder vergessen. Alles tun für die Gesundheit – aber nichts tun für die Seele.
Das Bibelwort lenkt unseren Blick auf den Anderen und damit weg von mir selbst. „Ich wünsche dir…“ Und das ist wohl der wichtigste Hinweis für alle Krisenzeiten. Bemühe dich – jeden Tag neu – von dir selbst wegzudenken auf den Anderen hin. Kreise nicht ständig um deine eigenen Probleme, denn das baut eine Mauer um dich auf. Richte deinen Blick nach außen. Natürlich ist das schwer, weil du so manches Leid Anderer wahrnimmst. Aber vielleicht lernst du so auch, das eigene Leid anders zu betrachten.
Was aber noch besser ist: Schau auf das Wohlergehen Anderer, freue dich über ihre Gesundheit, wünsche ihnen von Herzen Frieden und Wohlergehen für die Seele. Bete für sie! Und du wirst spüren: das schenkt auch deiner Seele Kraft. Das trägt auch zu deinem Wohlergehen bei, das fördert auch deine Gesundheit. Und es bringt dich – mit Gottes Hilfe – weg vom Kreisen um dich selbst und baut die Mauer um dich herum ab.
Trotz aller Krisen dürfen wir als Christen immer optimistisch bleiben, denn wir haben einen Herrn, der uns durch alle schweren Zeiten führt.
Mit allen guten Wünschen für einen fröhlichen Optimismus – gerade jetzt im Frühjahr –

Ihr Pfarrer Jörg-Martin Spitzner

Februar / März 2022

Herzlich Willkommen im neuen Jahr!
Die Tür hat sich geöffnet. Ein neuer Raum liegt vor uns: 2022. Wie hat sich der Schritt über die Schwelle bei Ihnen angefühlt? Sind Sie voller Elan und Vorfreude eingetreten, um den neuen Raum zu gestalten? Oder waren und sind Sie eher zögerlich? Fühlt sich der Raum gar abweisend und kalt an? Alles abgesagt, Kontaktverbot, draußen bleiben.
Das Jahr 2022 beginnt ambivalent. Wir wissen nicht, was uns erwartet, und leider auch nicht, was wir erwarten können. Das erschwert auch unsere Planungen in den Kirchgemeinden. Und doch gibt es für uns als Christen einen wesentlichen Unterschied, der Hoffnung macht:
Unser Jahr hat schon begonnen! Es ist nicht die Ungewissheit eines Kalenderjahres, die uns empfängt, sondern die Hoffnung des Advent, die uns die Tür öffnet. Bereits am 1. Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Mit der verheißenen Ankunft des Retters startet die Kirche ins neue Jahr. Dadurch steht es gleich unter einem anderen Vorzeichen. Mit der Hoffnung des Advent ist unser neues Jahr hoffnungsvoll ausgerichtet auf Jesus Christus, dessen Ankunft wir Weihnachten feiern und mit dem wir ins neue Kalenderjahr gehen. Jesus Christus gibt dem neuen Jahr das Gepräge. Es ist ein Jahr des Herrn. Früher schrieb man häufig „AD“ vor die Jahreszahl als Abkürzung für Anno Domini. Es ist ein Kürzel, das daran erinnert: Wir befinden uns im Jahr des Herrn. Egal wie sehr uns das neue Jahr herausfordern wird: Es ist ein Jahr des Herrn. Er ist da und steht uns zur Seite. Lassen wir zu, dass Jesus Christus dieses Jahr 2022 prägt! Er selber heißt uns willkommen:
Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. (Joh 6,37)
Jesus hat die Menschen nicht abgewiesen, die zu ihm kamen, so aussichtslos die Lage auch schien. Er hat ihnen geholfen mit den Möglichkeiten, die zur Verfügung standen, und mit Gottvertrauen. Dadurch verbreitete er Hoffnung und ermöglichte den Menschen eine neue Perspektive und neues Leben.
Dieser Zuspruch Jesu, der uns als Jahreslosung durch das Jahr 2022 begleitet, gilt noch immer. Er gilt uns, denen in der Nähe und denen in der Ferne. Darum wird er für uns Christen zugleich zum Anspruch: Auch wir wollen entgegenkommend sein und einander annehmen – unabhängig vom Impfstatus. Auch wir wollen einladend sein und andere willkommen heißen, auch die, die aus fernen Ländern zu uns flüchten.
Menschen, die zueinander finden, sind Menschen, die noch Hoffnung haben. Und Hoffnung auf Leben ist eine gute Grundlage, um gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft zu meistern – mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und mit Gottvertrauen.
Alles Gute und Gottes Segen für das Jahr des Herrn 2022 wünscht Ihnen

Ihre Pfrn. Dr. Mandy Rabe

Dezember 2021 / Januar 2022

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. (Sacharja 2,14)

Wie viele Advents – und Weihnachtslieder kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie den Monatsspruch für Dezember lesen? „O du fröhliche“ und „Tochter Zion, freue dich“ wohl auf jeden Fall. Ob es aber wirklich ungetrübte Freude sein wird, mit der wir diese Zeit erleben, ist jetzt (Anfang November) schon wieder sehr unsicher geworden. Alle Einschränkungen, die wir im vergangenen Jahr auf uns genommen haben, konnten wir doch auch in der Hoffnung hinnehmen, dass dies nur einmal nötig ist, um die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie zu begrenzen. Und jetzt….? Geht das alles wieder von vorn los? Noch ist das ungewiss.
Doch was bedeutet dann die Aufforderung des Propheten? Wie wird sich seine Verheißung erfüllen? Oder hat sie sich schon erfüllt? Das prophetische Buch Sacharja gehört zu den jüngsten Schriften im Alten Testament. Für die nach Babylon weggeführten Israeliten steht der Rückweg in die Heimat  offen. Jerusalem soll wieder aufgebaut werden. Doch dieser Neuanfang war mühsam und voller Konflikte. Davon berichten die Bücher Esra und Nehemia. Aber dann müssen sie doch endlich kommen: die glorreichen Zeiten, in denen Freude und Fröhlichkeit das Lebensgefühl bestimmen. Oder doch nicht? Schon bald war eine neue Großmacht auf dem Vormarsch. Alexander der Große brachte den Hellenismus weit nach Osten voran. Sogar im Jerusalemer Tempel wurden die griechischen Götterstatuen aufgestellt. Für ein paar Jahrzehnte sorgen Judas Makkabäus und seine Söhne dafür, dass dieser Götzendienst wieder verschwindet. Doch dann kommen die Römer, um mit ihrer Fremdherrschaft lange zu bleiben – wie ein lästiges Virus. So hatten sich das die Rückkehrer aus Babylon bestimmt nicht vorgestellt. Es sollte doch der Herr kommen! Der Messias würde die Feinde in die Flucht schlagen, Freiheit und ein sicheres, gerechtes Leben garantieren. Darauf hatte man gewartet.
Und dann kommt er zur Welt: in einem Notquartier, durch Verordnung eines sich allmächtig gebärdenden Kaisers wurde die werdende Mutter und ihr Verlobter durch das ganze Land gehetzt; Herodes, der König von Roms Gnaden trachtet ihm sofort nach dem Leben. So ist die Welt, in die der Herr kommt. Von allen Dichtern, die das Wunder von Advent und Weihnachten versucht haben in Worte zu kleiden, hat Paul Gerhardt den Kontrast wohl am deutlichsten im Blick: Es ist die „Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast“, die der Herr nun mit seiner großen Liebe umfängt (EG 11,5). Wieder wissen wir nicht, unter welchen Umständen wir dieses Wunder feiern werden, aber es kann uns keiner nehmen, denn Gott hat es geschehen lassen.
Eine gesegnete Advents – und Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihr Pfr. Johannes Kaufmann

Oktober / November 2021

Gott, der Christus vom Tod auferweckt hat, wird auch eurem sterblichen Leib das Leben schenken durch seinen Geist, der in euch wohnt. (Römer 8,11)

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich hoffe noch auf ein paar warme Tage, vielleicht bekommen wir einen goldenen Oktober. Doch unverkennbar steht uns vor Augen: Es ist Herbst. Die Blätter verfärben sich und bald werden sie fallen.
„Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten“, so beschreibt Rainer Maria Rilke in seinem Herbstgedicht das Welken und Vergehen, das uns in den Monaten Oktober und November so deutlich vor Augen tritt. Es ist der Kreislauf von Wachsen und Vergehen, der alle Jahre wiederkehrt. Und wir werden erinnert an unsere eigene Sterblichkeit, unser eigenes Vergehen, wenn wir die Blätter fallen sehen: „Wir alle fallen, diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an, es ist in allen.“ Und doch ist dieses Gefühl eine trügerische Wahrnehmung. Denn wir gehören nicht in einen Kreislauf: Ja, wir werden geboren und wachsen und altern und vergehen in dieser Welt. Aber wir haben ein Woher – wir kommen von Gott; und wir haben ein Wohin – wir gehen zu Gott. Der Mensch ist kein Teil des Kreislaufs der Natur, auch wenn sich unser Körper nach dem Tod zersetzt.
Weil wir kein Teil des Kreislaufs sind, deswegen sind Ideen, nach dem Tod Nahrung für einen Rosenstock zu sein oder Dünger für einen Baum, der in der eigenen Asche wurzelt, oder mit Blumensamen verstreut zu werden, nur Krücken zur Bewältigung von Verlust und Trauer für diejenigen, die keine Hoffnung haben. Aber wir haben Hoffnung! Unsere Hoffnung steht fest in Jesus Christus. Dieser Hoffnung verleiht der Apostel Paulus Gestalt, wenn er schreibt: Gott, der Christus vom Tod auferweckt hat, wird auch eurem sterblichen Leib das Leben schenken durch seinen Geist, der in euch wohnt (Röm 8,11).
Mit dieser Hoffnung versehen wird der Herbst zum fröhlichen Mahner, die geschenkte Lebens-Zeit gut zu nutzen. Mit dieser Hoffnung versehen wird sogar ein Spaziergang über den Friedhof zum Mutmacher und der Friedhof selbst zum predigenden Ort der Auferstehungshoffnung. Statt von einem vermeintlichen Weiterleben in Bäumen oder auf einer Wiese erzählen die Kapelle und die Kreuze auf dem Friedhof von dem echten, neuen Leben, das Gott für uns bereithält. „Und doch ist EINER, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“
Ich freue mich darauf, Ihnen auf dem Friedhof zu begegnen. Dann können wir einander von unserer Hoffnung erzählen.

Ihre Pfrn. Dr. Nikola Schmutzler

August / September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel. (Haggai 1,6)

Freuen Sie sich auch schon auf den Urlaub? Oder sind Sie bereits gut erholt zurückgekehrt? Ich selber schreibe diese Zeilen noch voller Vorfreude auf die bevorstehende freie Zeit. Es soll eine Zeit der Erholung sein, eine Zeit der Muße, um wieder neue Kraft zu tanken.
Solche Zeiten sind wichtig! So wichtig, dass es mit dem Jahresurlaub nicht getan ist! Die jüdisch-christliche Tradition weiß deshalb um den wöchentlichen Ruhetag: Du sollst den Feiertag heiligen. Ein Tag pro Woche, der sich abhebt vom Alltag. Ein Tag zum Krafttanken und zur Neuausrichtung des Lebens. Ein Tag pro Woche Regeneration, um Mensch zu sein und zu bleiben. Seit 1700 Jahren ist der Sonntag in Europa staatlich anerkannter und arbeitsfreier Ruhetag zur seelischen Erhebung. Kaiser Konstantin führte ihn im Jahr 321 ein, um den Gottesdienstbesuch am Tag des Herrn zu ermöglichen.
In der jüngeren Vergangenheit steht dieser Ruhetag jedoch immer häufiger zur Disposition. Da ist von Sonntagsöffnungszeiten, verkaufsoffenen Sonntagen und der rollenden 7-Tage-Woche die Rede. Um den Menschen als Geschöpf Gottes geht es dabei nicht mehr, stattdessen wird der Mensch zum Erfüllungsgehilfen des Mammon (= Geld) als Wirtschaftsgötzen.
Sinnvoll ist es freilich nicht, einen Götzen an Gottes Stelle zu setzen und die eigene Geschöpflichkeit zu verleugnen: „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“ – das hat schon als DDR-Doktrin nicht funktioniert. Auch im 21. Jahrhundert ist dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt, denn die Ernte, die wir ohne Gott und Sonnenschein einbringen, taugt nicht zum Leben: „Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.“
Diese Worte schrieb der Prophet Haggai bereits vor 2540 Jahren den Israeliten ins Stammbuch. Es ist die gleiche Erfahrung, die auch moderne Menschen machen: Sie geben in ihrem Leben Vollgas, gönnen sich aber keine Ruhe und besinnen sich nicht auf Gott als den Schöpfer ihres Lebens. Sie geben Vollgas, aber es ist, als blockiere jemand die Kupplung: Trotz aller Leistung kommen sie nicht voran, sind sie nicht zufrieden und jagen dem Glück doch immer nur hinterher, ohne es je zu empfinden. Die Crux: Eine Generation, die selbst mit Burnout und Depressionen zu kämpfen hat, will ihre Kinder noch mehr fördern und fordern, damit sie erfolgreich werden: Training, Nachhilfe, Notendruck, aber keine Zeit für Gott.
Lernen wir denn gar nichts aus unserem Leben? Können wir die Zeichen nicht deuten? „Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.“
Nutzen Sie den Sommer, um sich bewusst zu erholen, und entdecken Sie den Sonntag neu für sich, denn es ist der Tag, der uns unsere Geschöpflichkeit vor Augen stellt – zur Ehre Gottes, des Schöpfers.

Ihre Pfarrerin Dr. Mandy Rabe

Juni / Juli 2021

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir. (Apostelgeschichte 17,27)

Kennen Sie Gott? Also nicht nur dem Namen nach oder vom Hörensagen? Kennen Sie Gott gut? So, dass Sie mit ihm reden? So, dass Sie an ihn denken – willkürlich und unwillkürlich? – mit festen Zeiten oder spontan? – weil Sie seine Hilfe brauchen oder er Sie überrascht hat?
Kennen Sie Gott? Paulus stellte diese Frage Menschen in Athen. Durch den Monatsspruch im Juli stellt er diese Frage
heute Ihnen. Die Menschen in Athen waren vielfältig interessiert und wussten ihr Leben in der Hand von Gott und Göttern. Sie haben an sie gedacht und ihnen Opfer gebracht, um sie gnädig zu stimmen, damit die Familie gesund blieb, damit ein Handelsgeschäft Gewinn brachte, damit die Ernte üppig ausfiel.
Aber eine echte Beziehung, eine Vertrauensbasis hatten sie zu diesen Göttern nicht, es war eher ein Geschäftsmodell. So wie wir heute für unsere Sicherheit Steuern bezahlen, Krankenkassenbeiträge für die Gesundheit und Handwerker für haushaltsnahe Dienstleistungen. Wie wir Netzwerke spinnen, um Vorteile daraus zu ziehen. Do ut des ‐ ich gebe dir, damit du mir gibst!
Paulus sagt: Wenn Sie Ihre Beziehung zu Gott so leben, kennen Sie Gott nicht. Denn Gott ist ein naher Gott, der Sie kennt, der sich für Ihr Leben interessiert und Tipps und Hilfe für Sie bereithält, weil er Sie liebt. Nicht weil Sie ihm irgendwas geben könnten. Paulus nennt das in Gott leben und weben und sein.
Leben – mit all seinen Facetten, mit dem Feiern und dem Trauern, Neues ausprobieren und im Gewohnten Trott gehen.
Weben – arbeiten, für Geld, für die Familie, um den Tag rumzukriegen, an einer Beziehung.
Sein – mit allem, was ich bin, was mich liebenswert macht und auch das Andere, mit meinen Talenten und meinen Fehlstellen.
Denn Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir.
Lernen Sie Gott kennen in Ihrem Leben. Entdecken Sie ihn im Alltäglichen und im Besonderen. Pflegen Sie Ihre Beziehung zu ihm, denn Gott ist Ihnen nahe. Kommen Sie Gott nahe!

Pfrn. Dr. Nikola Schmutzler